Wozu
die Drähte gut sind? "Sie bestehen aus einzelnen Atomen, und kleinere
elektrische Leitungsbahnen kann man prinzipiell nicht bauen", sagt Jörg
Schäfer. Darum lassen sich aus den Nanodrähten vielleicht Bauelemente
realisieren, die die Miniaturisierung von Computern an die Grenze treiben.
Mit ihrer Arbeit später einmal den kleinsten Quantencomputer der Welt zu
demonstrieren - das ist eine Vision, die den Würzburger Physikern gefällt.
Derzeit aber benutzen sie die Nanodrähte vorrangig als atomare Spielwiese. "Wir
können die Drähte an den Seiten um einzelne Goldatome erweitern. Oder gezielt
Querbrücken zwischen ihnen schaffen. Und dann analysieren, wie sich dadurch die
elektronischen Eigenschaften ändern", erläutert Professor Claessen.
Das nächste Ziel? Die Würzburger hoffen darauf, die elektrische Leitfähigkeit
der Nanodrähte beeinflussen zu können. "Das ist mit zusätzlichen Atomen möglich.
Über die Spitze eines Rastertunnelmikroskops kann man aber auch elektrische
Ladung in einen Draht hineintupfen. So könnte es gelingen, ihn kontrolliert
auszuschalten. Entfernt man das zusätzliche Atom oder lässt die störende Ladung
abfließen, wäre der Draht wieder angeschaltet", sagt Schäfer. Falls das
funktioniert? Dann wäre schon einmal eine Grundvoraussetzung gegeben, um
Nanodrähte als Bauteile für Quantencomputer verwenden zu können.
Die elektrische Schaltung der Nanodrähte kann aber auch zu neuen, eher
grundlegenden Erkenntnissen führen. Denn je kleiner ein Festkörper gemacht wird,
desto größer sind die Überraschungen, die er birgt. "In Nanostrukturen treten
viele verblüffende Phänomene auf, die unserer Intuition als Physiker
widersprechen", sagt Schäfer.
Woran das im Fall der Nanodrähte liegt? Die sind derart winzig, dass sich
die Elektronen, die Träger der elektrischen Ladung, nur auf einem sehr eng
begrenzten Pfad bewegen können - nämlich entlang der Drähte. In einem
gewöhnlichen Stück Metall können die Elektronen viele verschiedene Richtungen
einschlagen. Wenn aber die Elektronen auf engstem Raum eingesperrt werden, so
dass sie einander nicht ausweichen können, treten ungewöhnliche Quanteneffekte
auf. Davon kann vor allem die elektrische Leitfähigkeit betroffen sein.
15.05.2009 -
Die Menge verfügbarer fossiler Rohstoffe ist begrenzt. Daher und aus Gründen des
Umweltschutzes rücken erneuerbare Rohstoffquellen wie speziell angebaute
Pflanzen, Holzabfälle und andere Pflanzenreste immer mehr ins Zentrum des
Interesses. Durch Verfahren wie Pyrolyse oder Verflüssigung lässt sich aus
Biomasse ein Bioöl gewinnen, das als vielversprechender erneuerbarer
Energieträger gilt. Ein Team aus deutschen und chinesischen Wissenschaftlern um
Johannes A. Lercher von der Technischen Universität München hat nun ein neues
katalytisches Verfahren entwickelt, mit dem sich Bestandteile von Bioöl direkt
in Alkane und Methanol umsetzen lassen. Wie die Forscher in der Zeitschrift
Angewandte Chemie berichten, basiert es auf einer "Eintopfreaktion", die durch
ein Edelmetall auf einem Kohlenstoffträger, kombiniert mit einer anorganischen
Säure, katalysiert wird.
Bioöl ist eine wässrige, saure, hoch oxidierte Mischung. Sein hoher
Sauerstoffgehalt und seine Instabilität wirken sich jedoch nachteilig aus, als
flüssiger Kraftstoff kann es bisher nicht direkt genutzt werden. Als Quelle für
Basis-Rohstoffe wäre es sehr interessant, wenn es gelänge, daraus Alkane zu
gewinnen. Alkane, auch als Paraffine bezeichnet, sind gesättigte
Kohlenwasserstoffe, die zu den wichtigsten Grundstoffen der chemischen Industrie
zählen, etwa als Ausgangsprodukte zur Kunststoffherstellung. Außerdem zählen sie
zu den wichtigsten Brennstoffen der Weltwirtschaft.
Bioöl enthält eine so genannte phenolische Fraktion. Dies sind Verbindungen,
deren Grundgerüst aus einem aromatischen Kohlenstoff-Sechsring besteht, der
Hydroxygruppen (OH-Gruppen) trägt. Die phenolischen Bestandteile des Bioöls
lassen sich mit dem neuen Verfahren mit sehr hoher Selektivität zu Cycloalkanen
(ringförmigen Alkanen) und Methanol umsetzen. Die Forscher konnten dies an
verschiedenen Modellsubstanzen zeigen. Als Katalysator setzten sie in ihren
Versuchen Palladium auf einem Kohlenstoffträger ein, Phosphorsäure dient bei der
Reaktion als Protonenlieferant.
Die Reaktion ist eine so genannte Eintopfreaktion, das heißt, eine einstufige
Reaktion, deren einzelne Teilreaktionen (Hydrierung, Hydrolyse und
Dehydratisierung) ohne zwischengeschaltete Aufarbeitungsschritte einfach in dem
selben Reaktor ablaufen. Erfolgsgeheimnis ist der Katalysator, der in der Lage
ist, alle diese unterschiedlichen Teilreaktionen in Gang zu bringen. Am Ende
entsteht eine Mischung verschiedener Alkane, die sich als zweite Phase absetzt
und so leicht von der wässrigen Bioölphase getrennt werden kann. Das neue
Verfahren ist ein praktikabler Ansatz für die direkte Nutzung von Bioöl zur Alkanherstellung.
Originalveröffentlichung: Johannes A. Lercher et al.; "Highly
Forscher finden zwei neue, hochkomplexe Moleküle im Weltraum
Propylzyanid
Formelbilder: Oliver Baum, Universität Köln
Die Farbkodierung der atomaren Bestandteile der Moleküle
ist wie folgt: Wasserstoff (H): weiß, Kohlenstoff (C): schwarz, Sauerstoff (O):
rot und Stickstoff (N): blau.
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Ergänzende Formelbilder: HR
23.04.2009
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Einem internationalen Team von Wissenschaftlern vom
Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, der Cornell-Universität
(Ithaka/USA) und der Universität Köln haben zum ersten Mal zwei neue Moleküle im
interstellaren Raum nachgewiesen, Äthylformiat und n-Propylzyanid.
Computermodelle zeigen, dass vermutlich noch komplexere organische Moleküle
vorhanden sein müssen - darunter auch noch nicht identifizierte Aminosäuren, die
Grundbausteine des Lebens.
Die Wissenschaftler nutzten das IRAM-30m-Teleskop in Spanien zum Nachweis der
Radiostrahlung von Molekülen im Sternentstehungsgebiet Sagittarius B2 in der
Nähe des Zentrums unserer Milchstraße. Die beiden neuen Moleküle wurden in einer
heißen dichten Gaswolke aufgefunden, die unter dem Namen "Large Molecule Heimat"
bekanntgeworden ist und einen sehr leuchtkräftigen gerade erst entstandenen
Stern in ihrem Inneren enthält. In dieser Gaswolke konnte bereits eine ganze
Reihe von unterschiedlichen großen organischen Molekülen nachgewiesen werden,
darunter Alkohole, Aldehyde und Säuren. Die beiden neugefundenen Moleküle,
Äthylformiat (C2H5OCHO) und n-Propylzyanid (C3H7CN), repräsentieren zwei
unterschiedliche Klassen von Molekülen - Ester und Alkylzyanide - und stellen
jeweils die komplexesten bisher im Weltraum entdeckten Vertreter ihrer Klasse
dar.
Atome und Moleküle senden Strahlung bei ganz speziellen Frequenzen aus, die als
charakteristische "Linien" im elektromagnetischen Spektrum einer astronomischen
Quelle erscheinen. Die Entschlüsselung der Signatur eines bestimmten Moleküls im
Spektrum ist dabei vergleichbar mit der Identifikation eines Menschen anhand
seiner Fingerabdrücke. "Das Problem bei der Suche nach komplexen Molekülen liegt
darin, dass die am besten geeigneten astronomischen Quellen so viele
unterschiedliche Moleküle enthalten, dass ihre "Fingerabdrücke" überlappen und
nur sehr schwer zu entwirren sind", sagt Arnaud Belloche, Wissenschaftler am
Max-Planck-Institut für Radioastronomie. "Die größeren und komplexeren Moleküle
sind sogar noch schwieriger zu identifizieren, da ihre "Fingerabdrücke" kaum
sichtbar werden: Ihre Strahlung wird über eine viel größere Anzahl von Linien
verteilt, die alle viel schwächer herauskommen", ergänzt Holger Müller von der
Universität Köln. Von den insgesamt 3700 Spektrallinien, die mit dem
IRAM-Teleskop gefunden wurden, konnte das Forschungsteam 36 Linien mit den
beiden neuen Molekülen identifizieren.
Die Forscher haben anschließend Computer-Modellrechnungen dafür eingesetzt, die
chemischen Prozesse zu verstehen, die zur Bildung solcher Moleküle im Weltraum
führen. Chemische Reaktionen erfolgen als Resultat von Kollisionen zwischen
Gaspartikeln. Ebenso befinden sich Staubkörner als Bestandteile im
interstellaren Gas, auf deren Oberfläche Reaktionen zwischen einzelnen Atomen
stattfinden können, die Moleküle bilden. Als Ergebnis davon bauen sich um die
Staubkörner dicke Eisschichten auf. Sie bestehen hauptsächlich aus Wasser,
enthalten aber auch Einschlüsse einer Reihe von einfachen organischen Molekülen
wie zum Beispiel Methanol, dem einfachsten Alkohol.
"Aber die wirklich großen Moleküle scheinen sich nicht auf diese Weise, nämlich
Atom für Atom, aufzubauen", sagt Robin Garrod, ein Astrochemiker an der
Cornell-Universität. Stattdessen lassen die Computermodelle vermuten, dass die
komplexeren Moleküle abschnittsweise aufgebaut werden. Dabei kommen
vorgefertigte Teilabschnitte zum Einsatz, die durch Moleküle bereitgestellt
werden, die schon auf den Staubkörnern vorhanden sind. Die Computermodelle
zeigen, dass diese Abschnitte oder "funktionalen Gruppen" sich sehr wirksam
miteinander verbinden können, um so ganze "Molekülketten" in einer Serie von
kurzen Schritten zusammenzubauen. Die beiden neu entdeckten Moleküle sind
vermutlich auf diese Art entstanden.
"Es gibt anscheinend keine Begrenzung für die Größe der Moleküle, die durch
diesen Prozess erzeugt werden können - wir erwarten sogar noch komplexere
Moleküle, wenn wir sie überhaupt nur entdecken können." sagt Garrod. Karl Menten,
Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und ebenfalls Mitglied des
Forschungsteams, erwartet solche Entdeckungen bereits in naher Zukunft. "Was wir
im Moment machen, ist ein bisschen so wie die Suche nach der Stecknadel im
Heuhaufen.
Zukünftige Forschungsinstrumente wie das Atacama Large Millimeter Array werden
noch effizientere Beobachtungsprogramme möglich machen, mit denen weitere
organische Moleküle im interstellaren Raum gefunden werden können." Vielleicht
sogar die Entdeckung von Aminosäuren, die für die Erzeugung von Proteinen
benötigt werden und damit unverzichtbar sind für die Entstehung des Lebens auf
der Erde.
Nach der einfachsten Aminosäure, Glyzin (NH2CH2COOH), wurde bereits wiederholt
im Weltraum gesucht; sie konnte allerdings bis jetzt noch nicht nachgewiesen
werden. Allerdings sind beide hier beschriebenen neu entdeckten Moleküle von
Größe und Komplexität her durchaus mit Glyzin vergleichbar.
7.04.2009 - Ein internationales Forscherteam hat
einen Chip entwickelt, der viermal leistungsfähiger als der bisherige
Rekordhalter ist. Er verspricht ein preiswerteres und schnelleres Internet und
die Verarbeitung größerer Bilddatenmengen. Die Wissenschaftler, unter ihnen vier
Forscher vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), setzten dabei auf die
Kombination von Organischer Chemie und Silizium-Technologie.
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Die Gruppe habe "das Beste aus zwei Welten zusammengebracht", sagt Professor
Jürg Leuthold vom Institut für Photonik und Quantenelektronik (IPQ). Die
Wissenschaftler haben ein organisches Material entwickelt, das auf bislang
unerreichte Weise hohe optische Qualität mit der Fähigkeit kombiniert,
Lichtsignale zu übertragen. Das internationale Team unter der Leitung von
Leuthold und dem Karlsruher Professor Wolfgang Freude fand eine technische
Lösung dafür, dieses Material in die Silizium-Chip-Technologie zu integrieren,
sodass es in Geräten der optischen Telekommunikation eingesetzt werden kann. Und
diese enorm verbessern soll: "Der Chip kann die Daten von 2,6 Millionen
Telefonanrufern verarbeiten", sagt Leuthold.
In einem Experiment haben die Forscher die Funktionalität der ultraschnellen
Datenverarbeitung nachgewiesen. Der Chip ermöglichte es ihnen, ein optisches
Datensignal, das bei 170,8 Gigabit pro Sekunde arbeitet, so umzuschreiben, dass
daraus vier Datenströme mit 42,7 Gigabit pro Sekunde enstanden - die
anschließend auf elektronischem Wege weiter verarbeitet werden können. Indem der
Chip die Daten auf optischem Wege prozessiere, so erklärt Leuthold, "kann man
die durch die Elektronik bedingten Geschwindigkeitslimits um einen Faktor vier -
und noch mehr - überschreiten".
Es ist seit Jahren bekannt, dass Daten mit optischen Mitteln weit schneller
verarbeitet werden können als auf elektronischem Wege. Aber noch niemandem war
bislang der Nachweis gelungen, dass man mit billigem Silizium bei Bitraten weit
über der Schallgrenze von 100 Gigabit pro Sekunde arbeiten kann. Dabei tüftelten
Forscher auf der ganzen Welt seit Jahren eifrig an der Weiterentwicklung der
Siliziumtechnologie. So meldete die Firma Intel erst kürzlich die erste optische
Signalverarbeitung bei 40 Gigabit pro Sekunde.
Die Tatsache, dass die Forschergruppe um Leuthold und Freude diesen Rekord um
den Faktor vier überboten hat, beruht darauf, dass die Forscher einen neuen Weg
beschritten haben: Die Licht führenden Bahnen auf ihrem Silizium-Chip haben im
Gegensatz zu den Licht führenden Wellenleitern der Konkurrenz einen feinen Spalt
in der Mitte. Er ist gerade einmal 100 Nanometer breit. Den Spalt füllten sie
mit einem neuartigen organischen Molekül auf - und dieses verhalf dem optischen
Wellenleiter zu ultraschnellen Eigenschaften. Dabei erhitzen die Forscher das
Material bis zur Dampfphase, in der sie es auf die Siliziumstruktur legen.
Danach bildet es einen homogenen festen Zustand aus. So füllen die Moleküle den
Spalt komplett und gleichmäßig - und verhindern Streuverluste: "Das war der
Durchbruch", sagt Leuthold.
Für den Karlsruher Forscher ist die Wahrscheinlichkeit groß, "dass wir auch bei
höchsten Bitraten weiterhin mit Silizium arbeiten können". Die Erfolgsgeschichte
von Silizium, die vor 61 Jahren mit der Entwicklung des ersten Transistors
begann, könne ihre Fortsetzung finden: "indem wir in den kommenden Jahren das
Silizium so modifizieren, dass wir optische Signale bei Geschwindigkeiten
jenseits des mit Elektronik Machbaren verarbeiten können".Originalveröffentlichung:
Photonics Nature April
2009