
Das
Kohlenstoffnitrid
sorgt dafür, dass sich Wasserstoff bildet, wenn Wasser mit Sonnenlicht
bestrahlt wird.
Bild: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
22.01.2009
- Wasserstoff wird als
der Energieträger der Zukunft angesehen. In einem Kilogramm Wasserstoff
steckt etwa dreimal soviel Energie wie in einem Kilogramm Erdöl. Zudem
entstehen keine Schadstoffe, sondern ausschließlich Wasser, wenn man
beispielsweise in Brennstoffzellen Energie aus ihm gewinnt. Wasserstoff
kommt auf der Erde jedoch nur in Form von Verbindungen, wie eben Wasser,
vor. Um mit ihm Energie zu erzeugen, braucht man Wasserstoff in seiner
reinen Form - und zwar bestenfalls mit regenerativen Energiequellen wie
etwa Sonnenlicht produziert.
Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Kolloid- und
Grenzflächenforschung ist jetzt ein Schritt in diese Richtung gelungen -
und zwar ausgerechnet mit einem der ältesten künstlichen Polymere, das
Chemiker kennen. Sie haben ein Kohlenstoffnitrid, das Justus Liebig
schon 1834 erstmals herstellte und Melon nannte, genutzt, um Wasserstoff
aus Wasser mit Hilfe des Sonnenlichtes zu erzeugen.
Das Kohlenstoffnitrid nutzt das Sonnenlicht, um Wasserstoff aus dem
Wasser herauszulösen. Eine Substanz, die Chemiker als Opferreagenz
bezeichnen, nimmt dabei den Sauerstoff des Wassers auf. Der Clou: Die
Potsdamer Chemiker können auf Edelmetalle wie etwa Platin verzichten. In
herkömmlichen Prozessen sind diese - neben einem Halbleiter als Antenne
für das Sonnenlicht - nötig, um die Wasserstoffproduktion zu
katalysieren. Das Kohlenstoffnitrid erledigt nun beide Aufgaben
zugleich, und das als besonders stabiler organischer Halbleiter, der
sich einfacher herstellen lässt als die üblicherweise verwendeten
anorganischen Stoffe.
"Für technische Anwendungen wäre es optimal, wenn wir Wasser in einem
Schritt in Wasserstoff und elementaren Sauerstoff zerlegen könnten",
erklärt Wang. Auch das sollte mit Kohlenstoffnitrid als einzigem
Hilfsmittel möglich sein, wie Berechnungen der Forscher ergeben haben.
In Experimenten brauchen sie dafür bislang aber noch einen zusätzlichen
Katalysator.
Nun arbeiten die Wissenschaftler um Wang daran, die Produktion von
Wasserstoff und Sauerstoff in einem geeigneten Aufbau zu kombinieren.
Gelingt ihnen dies, ist die Wasserspaltung perfekt und Wasserstoff
seiner Rolle als wichtiger Energieträger der Zukunft ein Stück näher.
Mikroorganismen liefern Initialzündung für die Entstehung von Manganknollen und Mangankrusten
25.05.2009
-
Auf dem Meeresboden liegen Rohstoffe, die in Zukunft von großer Wichtigkeit
sein könnten: Mangan, Eisen, aber auch die selteneren und wertvolleren Elemente
Kobalt, Kupfer, Zink und Nickel sind in Tiefseeknollen und Tiefseekrusten
reichlich vorhanden. Dass sich die Stoffe aus dem Meerwasser und dem Sediment
anreichern konnten, ist einem als "Biomineralisation" bezeichneten Prozess zu
verdanken. Kleinstlebewesen wie Bakterien und Algen sind am Aufbau der Knollen
und Krusten beteiligt und liefern, so zeigen neue Forschungen am Institut für
Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz, die Initialzündung für die Ansammlung der Metalle. Die neuen Erkenntnisse
könnten nach Einschätzung der Wissenschaftler dazu beitragen, dass eine
umweltfreundliche und nachhaltige Nutzung der wertvollen Meeresschätze erfolgt.
Der Wettlauf um die Ressourcen auf dem Meeresboden hat schon begonnen, die
Industrieländer haben ihre Claims abgesteckt und sich die Regionen mit hohen
Rohstoffvorkommen gesichert. "Das birgt internationalen Konfliktstoff", da ist
sich Univ.-Prof. Dr. Werner Müller von der Universität Mainz sicher. Weiß man
aber erst einmal, wie die Tiefseeknollen und Tiefseekrusten genau entstanden
sind, könnten vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft Mikroorganismen gezüchtet
werden, um ganz gezielt wichtige Rohstoffe "anzubauen". Müller erforscht seit
über 30 Jahren die Unterwasserwelt und gilt als Pionier der Schwammforschung in
Deutschland. Aber nicht nur Schwämme bieten nach Auffassung des Mediziners einen
nahezu unerschöpflichen Fundus - angefangen von bioaktiven Substanzen für die
Medizin bis zu Silikaten für die Lichtleitung -, sondern auch Bakterien und
Algen sind wahre Zauberkünstler.
Manganknollen entstehen auf dem Meeresboden in 4.000 bis 5.000 Meter Tiefe. In
über 10 Millionen Jahren haben sich hier schätzungsweise 300 Milliarden Tonnen
Mangan in Knollen angesammelt. "Das ist recht erstaunlich, wenn man bedenkt,
dass die Konzentration von Mangan im Meereswasser verschwindend gering ist",
sagt Müller. Zusammen mit dem Mangan finden sich in den kartoffelähnlichen
Knollen Eisen und Buntmetalle, die sich in Schichten abgelagert haben. Ist erst
einmal ein kleines Samenkorn vorhanden, reichern sich immer neue Metallionen an
der Außenschicht an. Wie es zur Initialzündung kommt, hat Müller nun in
Kooperation mit chinesischen Wissenschaftlern aufgedeckt. Als Bio-Keime
fungieren demnach Bakterien, an deren Außenwand eine zusätzliche Proteinschicht
sitzt, der sogenannte S-Layer. "Die äußerste Schicht des S-Layers ist eine
ideale organische Matrix, die nicht nur die Mikroorganismen gegen schädigende
Umwelteinflüsse schützt, sondern auch die Ablagerung von Mineralien erlaubt."
Müller und seine Kooperationspartner haben in Manganknollen ganze Ketten aus
Bakterien mit S-Layern gefunden, an denen die Synthese der Biomaterialien ihren
Anfang genommen hat. "Ist aber erst einmal die erste Schicht vorhanden, kommt es
zu Autokatalyse, das Material vervollständigt sich selbst."
Bei Tiefseekrusten ist der Bio-Keim nicht ein Bakterium, sondern eine kleine,
einzellige Alge. Die Tiefseekrusten, auch Mangankrusten oder Kobaltkrusten
genannt, sind in 800 bis 2.400 Meter Tiefe zu finden und enthalten ebenfalls
bedeutende Rohstoffvorkommen. Sie verdanken ihre Entstehung den
Coccolithophoriden, gepanzerten Algen, die rundherum mit einer Kalkschicht als
Schutzschild bedeckt sind. Diese Algen leben in einer Tiefe von 100 Metern.
Sterben sie ab, dann fällt ihr Schutzpanzer in tiefere Schichten, wo es durch
chemische Umwandlung zur Bindung von Mangan kommt.
"Wir können die Natur als ein Modell nehmen, um künftig vielleicht mit Hilfe von
Algen und Bakterien Mangan und andere Metalle in einer künstlichen Umgebung aus
Meerwasser zu gewinnen", erklärt Müller. Dies könnte Verteilungskonflikte
entschärfen und zu einer nachhaltigen Produktion beitragen, ohne die Tiefsee zu
schädigen.
Originalveröffentlichung:
Xiaohong Wang, Werner E.G. Müller;
"Marine biominerals: perspectives and challenges for polymetallic nodules and
crusts"; Trends in Biotechnology, 30. April 2009
Eine wichtige Aufgabe der Umweltüberwachung ist die Indikation von
Schwermetalleinträgen. Aufgrund ihrer Fähigkeit, in hohem Maße
Schadstoffe aufzunehmen, eignen sich Torfmoose besonders gut für das
Ermitteln und Beurteilen der atmosphärischen Schwermetallbelastung. Die
Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN beschreibt in der neuen
Richtlinie VDI 3957 Blatt 17, wie standardisiert vorzugehen ist.
Grundlage des Verfahrens ist das aktive Biomonitoring mit der
sogenannten "Sphagnum-bag-technique". Bei dieser Methode werden die in
Reinluftgebieten gesammelten Torfmoose in Nylonnetze gefüllt, dann in
den zu überwachenden Gebieten über einen definierten Zeitraum exponiert
und anschließend auf ihre Schwermetallgehalte, wie zum Beispiel Blei,
Cadmium, Chrom und Quecksilber, analysiert. Unterschiede der
Schwermetallgehalte der Moose an den Untersuchungspunkten geben Auskunft
über die Verteilung und das Ausmaß der Schwermetallbelastung.
Neben herkömmlichen Immissionsmessungen, die überwiegend auf
physikalisch-chemischen Messmethoden beruhen, kommen alternative
Methoden unter Einbeziehung lebender Organismen zur Beobachtung der
Umweltsituation, sogenannte Bioindikatoren, immer häufiger zum Einsatz.
Untersuchungen mit Bioindikatoren sind aufgrund des geringen
Personalaufwandes und Materialeinsatzes meist kostengünstig und erlauben
eine wirkungsbezogene Aussage der Immissionssituation.