Billigerer Solarstrom dank Nano-Schwämmen aus Silizium

Quelle: BSW-Solar/S.A.G.

 

21.05.2010 - Sonnenenergie ist praktisch unbegrenzt verfügbar. Solarstrom ist aber noch die teuerste und deshalb stark subventionierte erneuerbare Energie.

Damit das nicht so bleibt, werden von der Forschung grundlegende Innovationen gefordert. Besondere Erwartungen werden an die Nutzung von Nano-Materialien gestellt.

An solchen Solarzellen der dritten Generation arbeitet seit kurzem ein internationales Team aus Forschung und Industrie unter Koordination des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf (FZD).

Die entscheidende Frage für die Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom lautet: Wie verbessert man den Wirkungsgrad von Solarzellen deutlich, ohne deren Herstellungskosten in die Höhe zu treiben?

 

Wissenschaftler im Forschungszentrum FZD haben einen Weg gefunden, das wenig effektive, amorphe oder nano-kristalline Silizium in Dünnschicht-Solarzellen durch einen Nano-Schwamm aus Silizium zu ersetzen.

 

Dieser verspricht bei guter Lichtabsorption eine verbesserte elektrische Ausbeute. Der Nano-Schwamm aus Silizium ist in Glas eingebettet und dadurch geschützt sowie elektrisch passiviert.
Im Rahmen des Projektes sollen Wege zur Fabrikation von Nano-Schwämmen aus Silizium, die photoelektrischen Eigenschaften der Nano-Schwämme sowie deren Überführung in Solarzellen-Produktionslinien untersucht werden.

Die am FZD entdeckte Möglichkeit der Effektivitätsverbessung von Solarzellen hat den Vorteil, dass sie sich auf existierenden Produktionslinien mit nur kleinen Anpassungen realisieren lässt und die Herstellungskosten nur unwesentlich steigen.

.


.

Kunststoffe aus Pflanzen

Wenn Rohstoffe nachwachsen und Kunststoffe gesät werden. Chemiker der Universität Konstanz finden eine Methode, Kunststoffe verlustfrei aus Pflanzenöl zu erzeugen

21.05.2010 - Kunststoffe oder Polymere sind in unserem alltäglichen Leben allgegenwärtig. Sie werden derzeit aus Rohöl oder Gas hergestellt - in Hinblick auf die Begrenztheit fossiler Rohstoffe sollte auf lange Sicht jedoch eine alternative Methode zur Herstellung von Kunststoffen auf der Grundlage von erneuerbaren Ressourcen gefunden werden.


Die Forschungsgruppe von Professor Dr. Stefan Mecking, Lehrstuhlinhaber für Chemische Materialwissenschaft an der Universität Konstanz, fand einen Weg, Kunststoffe aus pflanzlichem Öl zu gewinnen. Damit wurde erstmalig eine Methode entwickelt, die fetthaltige pflanzliche Säuren verlustfrei in einen Kunststoff überführt und dessen lineare Molekularstruktur aus langen Molekülketten bewahrt.
Bisherige Methoden der Kunststoffgewinnung aus regenerativen Rohstoffen nutzten die fetthaltigen Säuren nur unvollständig und verschwendeten somit einen Teil des Ausgangsmaterials - oder aber sie ergaben weiche Kunststoffe mit verzweigter, baumartiger Molekularstruktur.

.

Die neue Methode, die von Dorothee Quinzler im Rahmen ihrer Dissertation gefunden wurde, ermöglicht hingegen eine vollständige, verlustfreie Nutzbarmachung des pflanzlichen Ausgangsstoffes und seiner spezifischen Molekularstruktur, die in den entstehenden Kunststoff übergeführt wird.

.

Die so gewonnenen Kunststoffe verfügen anders als in herkömmlichen Methoden über eine nicht-verzweigte und regelmäßige, lineare Molekularstruktur aus langen Molekülketten: "Nicht unähnlich einer Aufschichtung von ungekochten Spaghetti", erläutert Stefan Mecking. Diese regelmäßige Anordnung der Moleküle stattet die Kunststoffe mit günstigen Eigenschaften aus: Der Kristallinitätsgrad und das Schmelzverhalten dieser Stoffe sind vergleichbar zu den bekannten Polyethylenen, wie Quinzler und Mecking in der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" berichten.

....


Kunststoffe auf Basis von CO2

BMBF-Fördersumme von über 4,5 Millionen Euro für "Dream Production"

08.06.2010 - An einer nachhaltigen Verwendung von Kohlendioxid (CO2) arbeiten Forscher von Bayer MaterialScience und Bayer Technology Services zusammen mit der RWE Power AG sowie der RWTH Aachen University als akademischem Partner. Im Mittelpunkt des Projekts "Dream Production" stehen die Errichtung und Inbetriebnahme einer Pilotanlage im Chempark Leverkusen. Hier sollen im Kilogramm-Maßstab Polyetherpolycarbonatpolyole (PPP) produziert werden, die zu Polyurethanen weiterverarbeitet werden. Dabei wird CO2 chemisch gebunden und findet so nachhaltig Verwendung als Werkstoff. Die Schlüsseltechnologie hierfür ist die Katalyse.

Katalysetechnologie wird derzeit bei der Herstellung von mehr als 85 Prozent aller chemischen Produkte eingesetzt, auch bei den sogenannten "Dream Reactions" - Reaktionen, die im Labor erprobt wurden, von deren industrieller Umsetzung man aber bisher nur träumen konnte. Konkret: Beim Versuch, CO2 nutzbar zu machen, stand die Reaktionsträgheit von Kohlendioxid bisher wie eine große Hürde im Weg. Aber durch Katalyse ist diese Traumreaktion im Labor bereits möglich geworden. Im Projekt "Dream Production" sollen nun die vielversprechenden Ergebnisse aus dem Labor erstmals in den Technikumsmaßstab überführt werden. Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Projektträger betreute Initiative wird in den kommenden drei Jahren mit insgesamt über 4,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
 
Die durch die Katalyse gewonnenen Polyetherpolycarbonatpolyole sind äußerst attraktive Materialien. Neben der direkten Nutzung des CO
2 eröffnen sich weitere interessante CO2-Einsparpotenziale durch Verwendung der aus den PPPs hergestellten Polyurethane. "Die Verwertung des Abfallproduktes CO2 zur Herstellung von vielseitigen Wertstoffen ist eine absolute Meisterleistung der Katalyse, auf die wir ebenso wie unsere Projektpartner sehr stolz sind", sagte Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender der Bayer MaterialScience AG. "Darüber hinaus sparen Polyurethane als effizientestes organisches Dämmmaterial während ihrer Nutzungsdauer etwa 80-mal mehr Energie ein, als zu ihrer Herstellung benötigt wird. Somit erzielen PPPs einen doppelt positiven Effekt für den Klimaschutz."
 
Neben der Gebäudedämmung tragen Leichtbauteile aus Polyurethanen etwa in der Automobilindustrie zu einer Gewichtsverringerung und damit zu signifikanten Energieeinsparungen bei. Aber auch als Stoff, aus dem hochwertige Matratzen und Polstermöbel hergestellt werden, sind Polyurethane Teil des täglichen Lebens.
  
Der Einsatz von CO
2 als Rohstoff bei der Herstellung von Polymeren hilft, weniger konventionelle Rohstoffe und damit weniger fossile Energieträger zu verbrauchen. Mit diesem Ansatz wird auch für zukünftige Generationen ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen aufgezeigt.
 
Das im Rahmen des Projekts eingesetzte CO
2 wird aus dem Braunkohlenkraftwerk von RWE Power in Niederaußem stammen. Dort betreibt der Stromerzeuger in seinem Innovationszentrum Kohle eine CO2-Wäsche, mit der das Kohlendioxid aus dem Rauchgas abgetrennt wird. Für das Projekt Dream Production wird die CO2-Wäsche zusätzlich mit einer Verflüssigungsanlage ausgestattet, so dass das Kohlendioxid nach Leverkusen transportiert werden kann. Die CO2-Verflüssigungsanlage wird flexibel für unterschiedliche Anforderungen an das CO2
wie Drücke und Reinheiten im Kilogramm- bis Tonnenmaßstab errichtet und betrieben.


Nano-Design, so genial wie die Natur
08.06.2010 - Forscher der Technischen Universität (TU) Wien koordinieren ein groß angelegtes EU-Projekt. Mit der Biologie als Vorbild sind sie auf dem Weg zu einer neuen, bionisch inspirierten Brennstoffzelle. Anzeige

Jede lebende Zelle in unserem Körper kann es: bedeckt mit einer dünnen Membran, genannt Zellmembran oder Nanomembran, kann sie gezielt gewisse Stoffe herein und andere draußen lassen. Obwohl tausendfach dünner als das menschliche Haar ist diese Nanomembran in Aufbau und Funktion äußerst komplex. Drei Nobelpreise wurden bisher für ein besseres Verständnis dieser Nanomembranen verliehen.
 
Mikroskopisch kleine Kanäle leiten Wasser, elektrische Ladungen und Nährstoffe hin und her und schaffen dabei im Inneren der Zelle eine ausgewogene Balance. Dabei sind uns viele der Funktionen und Strukturdetails noch immer unbekannt, lediglich der Wasser- und Protonenaustausch ist besser erforscht. "Diese feinsten Kanäle der Zellmembranen mit ihrer Fähigkeit, selektiv Protonen zu leiten, funktionieren genauso wie die vom Menschen geschaffenen Brennstoffzellen", erklärt Werner Brenner, "nur ist dieser Prozess in der Natur noch deutlich effizienter."
  
Brennstoffzellen sieht man heute als ernstzunehmende Alternative zu Öl, das bisher die Basis für elektrische Energie und Mobilität ist. Die Ölreserven der Erde leeren sich jedoch rapide mit dem wirtschaftlichen Druck, immer tiefer in den Meeresboden vordringen zu wollen. Auch liefert die Ölverbrennung CO2, Ruß und andere Rückstände. Abfallprodukt der Brennstoffzelle ist lediglich Wasser.
 
Das EU-Projekt fokussiert auf das Design des Herzstücks jeder Brennstoffzelle, der Membran, die Protonen effizienter leiten soll als dies bisherige Lösungen können. "Erste Ergebnisse machen Mut. Es wird nicht trivial aber machbar. Die Natur schafft diese Strukturen seit Milliarden von Jahren und sie bewähren sich in jedem lebenden Organismus. Unsere Aufgabe ist die Übernahme der Struktur dieser natürlichen Nanokanäle in eine künstliche Nanomembran, selbst nur hundert Nanometer dick." erklärt Jovan Matovic.
 
Ein breites Feld von wissenschaftlichen Ansätzen - von der Festkörperphysik über die Nanotechnologie bis hin zur Chemie - sind für dieses Projekt nötig. Daher ist auch die internationale Kooperation von sechs Universitäten, Forschungsinstitutionen und Unternehmen von großer Bedeutung. Das EU-Projekt wird vom TU Wien Forschungsteam Ass.Prof. Dr. Werner Brenner, Dr. Jovan Matovic und Dr. Nadja Adamovic am Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme koordiniert.
 
Das TU-Forschungsteam ist sich sicher: "Der Output dieses Vorhabens soll von weitreichenderer Bedeutung sein für unsere Gesellschaft sein. Gelingt es, die Nanokanäle exakt nach Plan zu bauen, öffnen sich noch ganz andere Anwendungsfelder wie definierte Medikamentenabgabe, Wasserentsalzung oder auch neuartigen Sensoren." erläutert Nadja Adamovic, "Die Grenzen zwischen "künstlich und "natürlich" werden im Projekt wieder ein Stück weit verschwimmen".