Haarglättungsmittel mit Formaldehyd, HCHO sind gesundheitsschädlich

BfR rät Verbrauchern und Frisören vom Gebrauch ab: 07.12.2010

 

 Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin rät vom Gebrauch von Haarglättungsmitteln ab, die Formaldehyd in teilweise hohen Konzentrationen enthalten. Aufgefallen waren den Überwachungsbehörden von Baden-Württemberg solche Mittel, die freies Formaldehyd in Konzentrationen von 1,7 bis 1,8 Prozent enthielten. "Solche Konzentrationen können die Gesundheit schädigen", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Formaldehyd wirkt stark reizend auf Augen, Haut und Schleimhäute. Der Stoff kann außerdem Allergien auslösen und ist vom BfR als krebserzeugend beim Menschen eingestuft worden. In der EU ist Formaldehyd für die Anwendung in Haarglättungsmitteln nicht zugelassen. Offenbar beziehen Verbraucher und Frisiersalons aber mittels Direktimport oder über das Internet Produkte aus dem Ausland, ohne zu wissen, dass diese ihrer Gesundheit schaden können.


Formaldehyd kann Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen. Neuerdings wird in der Wissenschaft auch ein möglicher Zusammenhang zwischen Formaldehyd und dem Auftreten der myeloischen Leukämie diskutiert. Bekanntermaßen kann Formaldehyd allergische Reaktionen der Atemwege und der Haut auslösen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Es wirkt außerdem stark reizend auf Augen, Haut und Schleimhäute. Für Formaldehyd in der Innenraumluft wurde vom BfR ein sicherer Schwellenwert von 0,1 ppm abgeleitet.
 
In der EU ist
Formaldehyd als Wirkstoff nur in Nagelhärtern in Konzentrationen bis zu 5 Prozent und als Konservierungsmittel in kosmetischen Mitteln nur bis zu einer Konzentration von 0,2 Prozent zugelassen, ab 0,05 Prozent ist eine Kennzeichnung vorgeschrieben. In Haarglättungsmitteln, die die Überwachungsbehörden in Baden-Württemberg untersucht haben, wurden 1,7 bis 1,8 Prozent Formaldehyd festgestellt. Bei der Verwendung von Haarglättungsmitteln mit diesen Konzentrationen besteht für die Anwender ein Gesundheitsrisiko.
 
Das BfR empfiehlt den zuständigen Behörden der Bundesländer entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel, Frisiersalons mit Blick auf formaldehydhaltige Haarglättungsmittel zu kontrollieren. Verbrauchern rät das BfR dringend vom Hausgebrauch solcher Produkte ab. Offenbar können sie über den Internet-Versand erworben werden.
 
Haarglättungsmittel werden eingesetzt, um naturkrauses Haar dauerhaft glatt zu machen. Dabei wird das Mittel auf das Haar aufgetragen, und nach 30 Minuten Einwirkzeit wird das Haar mit einem 230 °C heißen Glätteisen gestreckt. Enthält das Haarglättungsmittel
Formaldehyd, wird dieses mit den dabei entstehenden Dämpfen von Frisör und Kunde bzw. vom Privatanwender eingeatmet. Die Freisetzung von Formaldehyd aus den untersuchten Mitteln ist so hoch, dass Reizungen von Haut, Schleimhaut, Augen und Atemwegen, allergische Reaktionen der Haut und weitere Gesundheitsschäden möglich sind.
Formaldehyd in Haarglättungsmitteln dient der Neuvernetzung der durch Hitze gebrochenen Keratine im Haar. Eine lockige Haarstruktur wird dadurch glatt.

 

Viele Pelze mit Chemikalien belastet
Alarmierende Ergebnisse bei einer stichprobenartigen Untersuchung von Pelzen: 07.12.2010

Laut einer Studie im Auftrag der Tierschutzstiftung Vier Pfoten sind zahlreiche Pelze teils stark mit Chemikalien belastet. Bei 5 von 14 getesteten Kleidungsstücken sei der Maximalwert des Industriestandards für die Chemikalie Formaldehyd überschritten worden. Die Kleidungsstücke würden als potenziell gesundheitsgefährdend eingestuft, sagte Studienleiter Manfred Krautter vom Analyseunternehmen EcoAid. Vier Pfoten kündigte an, Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz zu erstatten.

Am schlechtesten habe in der Studie eine
Kinderjacke abgeschnitten - der Pelz an der Kapuze enthielt 450 Milligramm Formaldehyd pro Kilogramm. Bei textilem Kinderspielzeug sind laut EU-Grenzwert höchstens 30 Milligramm pro Kilogramm zugelassen. «Gesundheitsschäden - gerade für sensible Kinder - sind bei solchen Werten nicht auszuschließen», erklärte Krautter. Dazu komme, dass es bei krebserregenden Stoffen keine wirkliche Schwelle gebe, die tatsächlich «sicher» sei.
 
Insgesamt schnitt nicht einer der 14 untersuchten Pelze bei der Studie gut ab. Lediglich ein einziger getesteter Pelz wurde als nur mäßig belastet eingestuft. Sieben Kleidungsstücke bezeichnete EcoAid als erheblich belastet. Die restlichen sechs wurden als stark belastet und potenziell gesundheitsgefährdend eingestuft.
 
Für die Untersuchung wurden 14 verschiedene Tierpelze aus vier deutschen Städten gekauft und untersucht. Formaldehyd gilt nach Angaben des Bundesinstitut für Risikobewertung als krebserregend und Allergie auslösend.

Schattenspender im Fensterglas
Chemiker der Universität Jena entwickeln neues Verschattungssystem für Verbundfensterscheiben

Jan-Peter Kasper/FSU

Modifizierte Kartoffelstärke hält das Verbundglas zusammen, das sich unter Einwirkung von UV-Licht verdunkelt.

 

23.02.2011: Es sieht aus wie ganz normales Fensterglas. Das Besondere an der etwa 10 mal 20 Zentimeter großen Scheibe, die Prof. Dr. Thomas Heinze in seinem Labor in den Händen hält, wird erst deutlich, als Licht darauf fällt: Binnen Sekunden färbt die Wintersonne die Glasscheibe leuchtend blau. „Die Intensität der Färbung hängt davon ab, wie intensiv die einfallenden UV-Strahlen sind“, erläutert der Professor für Organische Chemie und Leiter des Kompetenzzentrums für Polysaccharidforschung der Universität Jena. Das Verbundglas, das seine ursprüngliche Transparenz wenige Minuten nach Ende der Sonneneinstrahlung von selbst wieder erlangt, ist das Ergebnis eines aktuellen Forschungsprojekts der Chemiker der Jenaer Universität.

Eingesetzt als Fensterglas, ließe sich mit dem neu entwickelten Verbundglas ein automatisches Verschattungssystem für Wohn- oder Bürogebäude herstellen. „Zwar gibt es bereits eine Reihe anderer Konzepte für photoschaltbare Materialien, die teilweise auch schon auf dem Markt sind“, erläutert Heinze. Der Vorteil der Jenaer Neuentwicklung sei aber, dass sie um ein Vielfaches kostengünstiger sei als etwa elektrochrome Systeme, „und damit auch für den durchschnittlichen Geldbeutel erschwinglich.“

Das Geheimnis der Neuentwicklung steckt zwischen den beiden Scheiben des Verbundglases. „Diese sind mit einem Klebstoff auf Basis von Kartoffelstärke miteinander verbunden“, erklärt Dr. Tim Liebert aus Heinzes Team. Das natürliche Polymer Stärke biete sich aufgrund einer Reihe von Eigenschaften dafür an: „Nicht nur, dass sich der nachwachsende Rohstoff in großer Menge preisgünstig gewinnen lässt“, so Liebert. „Verknüpft mit Fettsäuren wird aus der Stärke ein schmelzbarer, transparenter Klebstoff.“ Diesen haben die Chemiker von der Jenaer Universität inzwischen weltweit patentieren lassen. Gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern wurde der Stärkekleber nun außerdem mit photosensiblen Farbstoffen versehen. Damit sei die Basis gelegt für eine Anwendung des Stärkeklebers in Verbundgläsern auch in großem Maßstab. Der erste Prototyp einer Fensterscheibe mit integriertem photoschaltbarem Verschattungssystem auf Basis von Kartoffelstärke soll im kommenden Jahr vorliegen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Kompetenzzentrums für Polysacharidforschung der Friedrich-Schiller-Universität mit dem Jenaer INNOVENT e. V., dem Fraunhofer Institut für Keramische Technologie und Systeme, dem Institut für Baukonstruktion an der TU Dresden, der Ostthüringer Materialprüfgesellschaft mbH sowie zwei mittelständischen Industriepartnern aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Gemeinschaftsprojekt wird von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) bis 2012 mit rund einer Million Euro gefördert.


Benzin aus Wasser, Kohlendioxid und Solarenergie

10.01.2011: Einem Forschungsteam um Aldo Steinfeld, Professor an der ETH Zürich und Laborleiter am Paul Scherrer Institut, ist es gelungen, mit Solarenergie aus Wasser und Kohlendioxid Treibstoff zu erzeugen. Dazu haben die Wissenschaftler einen Solar-Reaktor entwickelt, in dem konzentrierte Sonnenstrahlung das dafür nötige stabile und schnelle thermochemische Verfahren antreibt.

Sonnenenergie ist sauber und steht unbegrenzt zur Verfügung; sie ist aber nicht dauernd verfügbar sowie ungleichmäßig über die Erdoberflache verteilt. Weltweit stellen sich Wissenschaftler deshalb die Frage: Wie kann man Sonnenenergie speichern, um diese von den sonnigsten Flecken der Erde in die industrialisierten Zentren zu transportieren, wo die meiste Energie benötigt wird? Diese Frage motiviert Forscher nach Rezepten zu suchen, wie Sonnenlicht in chemische Energieträger umgewandelt werden kann, und zwar in Form von flüssigen Treibstoffen, die über lange Zeit gespeichert und über weite Distanzen transportiert werden können - Treibstoffe, die nicht nur Autos, Schiffe und Flugzeuge antreiben, sondern die gesamte nach Öl lechzende Weltwirtschaft nachhaltig versorgen können.

Neuartiger Solar-Reaktor gebaut

Einem Forschungsteam um Aldo Steinfeld, Professor für Erneuerbare Energie-träger an der ETH Zürich und Leiter des Labors für Solartechnik am Paul Scherrer Institut (PSI), ist es nun gelungen, ein solches Rezept inklusive "Koch-topf" - sprich Solar-Reaktor - zu entwickeln. Mit einem radikal neuen Prozess wird Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) umgewandelt in ein Gemisch von Wasserstoff (H2) und Kohlenmonoxid (CO). Diese Kombination wird als Synthesegas (Syngas) bezeichnet und stellt eine Vorstufe von Benzin, Kerosin und anderen flüssigen Treibstoffen dar. Gemeinsam mit Kollegen des California Institute of Technology (Caltech) stellen die ETH- und PSI-Forscher den neuen Solar-Reaktor sowie die experimentellen Resultate in der Fachzeitschrift Science vor.

 

 

Die zugrundeliegende Idee besteht darin, H2O und CO2 in einem zweistufigen Verfahren mit Hilfe von Sonnenenergie aufzuspalten. In einem ersten Schritt lenken die Wissenschaftler konzentriertes Sonnenlicht durch eine mit einem Quarzglas abgedichtete Blendenöffnung in den Solar-Reaktor. In dessen Hohlraum befindet sich ein Zylinder aus Ceriumoxid, der bei einer Temperatur von 1500°C reduziert wird. Dabei gibt das Material Sauerstoffatome aus der Struktur ab. Im zweiten, Schritt lässt man das reduzierte Ceriumoxid bei etwa 900°C mit Wasserdampf und CO2 reagieren; dabei werden die Wasser- und CO2-Moleküle aufgebrochen. Die dabei freiwerdenden Sauerstoffatome werden in die Materialstruktur integriert, sodass das Ceriumoxid  wieder in der Ausgangsform vorliegt und der Kreisprozess erneut gestartet werden kann. Übrig bleibt reines Synthesegas aus H2 und CO.

Mit der Kraft von 1500 Sonnen

Die Wissenschaftler testeten ihren Reaktor-Prototyp am Hochfluss-Solarsimulator des PSI. Dabei verwendeten sie eine Strahlungsintensität, die der Kraft von 1500 Sonnen entspricht. Der Umwandlungwirkungsgrad von Sonnenenergie in Treibstoff betrug dabei 0,8 Prozent. Dieser Wert ergibt sich aus dem Brennwert des produzierten Synthesegas, geteilt durch den Input an Strahlungsenergie. «Diese Wirkungsgrade sind um zwei Größenordnungen höher als diejenigen, die man mit herkömmlichen photokatalytischen Methoden zur CO2-Spaltung erzielt hat», erklärt Aldo Steinfeld und betont: «Die Resultate, die wir in Science veröffentlichen, belegen die Machbarkeit von solarbetriebenen thermochemischen Verfahren zur Herstellung von Treibstoff aus Kohlendioxid und Wasser

Zurzeit sind Steinfeld und seine Gruppe daran, den Solar-Reaktor so zu optimieren, dass er auch in großem Maßstab - im Megawatt-Bereich - in Solarturm-Anlagen eingesetzt werden kann. Solche Anlagen sind bereits kommerziell zur Stromerzeugung im Einsatz. Steinfeld glaubt, dass noch große Anstrengungen nötig sind, bevor seine Solarreaktortechnologie in der Praxis eingesetzt wird. «2020 sollten wir aber soweit sein, dass die erste industrielle Solartreibstoff-Anlage in Betrieb gehen und einen zentralen Beitrag zur nach-haltigen Energieerzeugung der Zukunft leisten kann».